24. Februar 2026

Im Zangengriff

PAKISTAN
Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan leben viele afghanische Flüchtlinge illegal in Pakistan. Ihre Situation ist desolat. Unser Projektverantwortlicher hat einige von ihnen getroffen.

Flüchtlinge aus Afghanistan sind in Pakistan doppeltem Druck ausgesetzt. Zum einen will Pakistan sie so schnell wie möglich loswerden. Aktuell führt die pakistanische Polizei wieder viele Deportationen durch. Die Muezzins rufen über die Lautsprecher von den Minaretten dazu auf, Afghanen der Polizei zu melden. Für korrupte Beamten sind die Migranten aus dem Nachbarland denn auch eine willkommene Einkommensquelle, weil sie erpressbar sind.

Denn jene, die nach Afghanistan zurückgeschafft werden, sind ihres Lebens nicht sicher. Dies gilt in hohem Masse für Frauen, für Angehörige ethnischer Minderheiten und für Christen. Afghaninnen und Afghanen können in Pakistan nur im Verborgenen leben. Ich besuche eine Unterkunft von Christen, in der sich einige solcher « Silent Believer » verstecken. Ihre Schwierigkeiten und Herausforderungen erschüttern mich.

Leiden im Verborgenen
Vor lauter Angst, entdeckt und deportiert zu werden, trauen sich die Afghanen in Pakistan nicht einmal, in ihren Wohnungen das Licht anzuzünden. Ein Mann erzählt, dass er und seine Familie aus Angst ihr Haus aktuell kaum mehr verlassen. Eine andere Familie berichtet, dass sie alle zusammen in einem Hinterraum schlafen – aus Angst, dass sie das Licht verraten könnte. Vor zwei Wochen kam die Polizei und nahm 18 Personen fest. Sie wurden rückgeschafft.

Von einer Mutter erfahre ich, dass sie immer nur frühmorgens im Dunkeln aus dem Haus geht, um Nahrungsmittel zu kaufen. Die Kinder bleiben zu Hause in grosser Angst, dass die Mutter abgeführt wird und sie auf sich selbst gestellt sein würden. An Schulbesuch ist für diese Kinder gar nicht zu denken.

Ein Vater vertraut mir an, dass sein zehnjähriger Sohn eine lebensrettende Herzoperation benötigen würde. Doch ohne gültige Aufenthaltsbewilligung geht das nicht. Der Junge kann nicht im Krankenhaus aufgenommen werden und der Vater kann nicht arbeiten, um den Eingriff zu bezahlen. « Wir sind eingesperrt wie in einem Gefängnis », fasst ein Betroffener zusammen.

Gefährliche Rückkehr
Aufgrund des aktuellen Konflikts mit Afghanistan stellt Pakistan aktuell keine Visa mehr aus. In den vergangenen Monaten wurden Visa nur noch für drei oder gar für einen Monat ausgestellt. Um ein abgelaufenes Visum zu erneuern, braucht es einen offiziellen Stempel im Pass, und dieser wird nur an der Grenze bei der Einreise nach Pakistan gegeben. Die Afghanen müssten also zurück nach Afghanistan, wo sie von den Taliban erwartet werden.

Für diese sind die Rückkehrer ein gefundenes Fressen. Die Taliban verhören sie und untersuchen, wo sie sich in Pakistan aufgehalten haben. Falls sie herausfinden, dass sie Christen sind, ist ihr Todesurteil besiegelt. Fast alle Afghaninnen und Afghanen, die ich in Pakistan treffe, haben so Angehörige verloren. Viele Familien sind getrennt, viele Menschen leiden an Depressionen.

Königstöchter
Immer stärker werden Frauen in Afghanistan zur kompletten Recht- und Wertlosigkeit degradiert. Eine ungeheuerliche Ausprägung davon berichtet mir eine der Geflohenen: Beim jüngsten Erdbeben stürzten verschiedene Häuser ein und begruben Frauen unter sich. Als die Helfer diese lokalisiert hatten, stoppten sie die Rettungsarbeiten mit der Ausrede, sie würden auf weibliche Retter warten, um die Frauen zu bergen. Da keine kamen, starben die verschütteten Frauen.

Trotzdem beeindrucken mich diese Menschen mit ihrem Lachen und ihrem Vertrauen auf Gott. Eine Afghanin bringt die Haltung ihrer christlichen Landsleute auf den Punkt: « Ich weiss, dass ich ein Kind Gottes bin, eine Tochter des Königs aller Könige. Und trotz aller Umstände glaube ich daran, dass er bei mir ist, mich herausholen und mir Frieden schenken wird.«



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