28. April 2026

Ein besonderes Treffen

CHINA
Vor kurzem fand in China eine seltene Zusammenkunft statt: An einer Versammlung trafen sich Leiter verschiedener Denominationen, denen landesweit 30 Millionen Christen angehören.

Das dreitägige geheime Treffen der führenden Pastoren war äusserst riskant. Dass unsere Partner auf wundersame Weise unentdeckt anreisen und teilnehmen konnten, kann nur die Antwort auf viele Gebete sein. Durch die persönlichen Berichte der Pastoren offenbarte sich das Ausmass der anhaltenden Repressionen. Zahlen, Informationen und Fotos über die Lage der Christen werden in China aufgrund der digitalen Überwachung nur noch von Angesicht zu Angesicht ausgetauscht. Es ist somit sehr schwer, exakt zu beziffern, wie schwerwiegend die Verfolgung in China ist. Noch kommt dazu, dass sie je nach Provinz variiert.

Freiheit auf Zeit
Im Osten Chinas, etwa in der Provinz Zhejiang, sind die Christen etwas freier. In einer Stadt an der Ostküste etwa gibt es viele Untergrundkirchen, die sogar Missionare aussenden und Bibeln, die sie auch von AVC erhalten, in ganz China verteilen. Dies ist sehr aussergewöhnlich und spiegelt nicht die Normalität der Untergrundkirchen in China wider.

Die hiesigen Christen haben Lösungen gefunden, wie sie trotz Verfolgung ihren Glauben aktiv leben können. Zudem setzen sie sich juristisch gegen die Angriffe und Forderungen der Regierung zur Wehr. Doch selbst in dieser Stadt sind die Nachfolger von Jesus vielen Einschränkungen ausgesetzt: Beispielsweise können sie sich nur in kleinen Gruppen in Privatwohnungen treffen und eine Bibelschule nur im Untergrund führen, wie ein Pastor aus dieser Provinz beim besagten Treffen berichtete.

Er konnte nicht ahnen, dass die relative Freiheit bald ein jähes Ende finden würde. Nur wenige Tage nach dem Treffen wurden massive Razzien in seiner Stadt durchgeführt. 1000 Polizisten rückten aus, um Kirchen zu schliessen, Hunderte Christen zu verhaften und Bibeln zu vernichten – und das kurz vor Weihnachten! Danach zündete die Kommunistische Partei zur Feier des Tages ein Feuerwerk.

Totale Überwachung
Am stärksten ist die Verfolgung im Westen Chinas. Die Provinz Xinjiang ist die Heimat der Uiguren, einer muslimischen Minderheit. Diese will unabhängig von China sein, weshalb sie rigoros unterdrückt wird. Unsere Partner berichten, dass dies zu einer spirituellen Offenheit geführt hat, die viele Uiguren in die Arme Jesu treibt. Wie früher in der Apostelgeschichte lassen sich ganze Haushalte gemeinsam taufen und schliessen sich der wachsenden Untergrundkirche an.

Doch die neuen Gläubigen sind einem doppelten Mass an Verfolgung ausgesetzt, weil sie Uiguren und Christen sind. Die Regierung überwacht streng, wo sich die Menschen aufhalten. Jedes Haus hat einen QR-Code, damit die Polizei jederzeit ablesen kann, wer dort wohnt. Versammlungen, welche die «Familiengrösse» übersteigen, sind nirgends möglich. Die Gemeinden treffen sich nur sehr vorsichtig an verschiedenen Orten und an verschiedenen Tagen, um nicht aufzufallen. Sie müssen leise sein und können keine Lobpreislieder singen. Schon kleinen Kindern wird beigebracht, wie sie bei Razzien der Polizei fliehen müssen.

Gehirnwäsche und Psychofolter
Erschütternd ist der Bericht über das Schicksal des inhaftierten Sohnes eines Netzwerkgründers im Westen Chinas: Er wurde von den Gefängniswärtern gezwungen, sein eigenes Grab zu schaufeln und davor zu knien. Dann schossen sie auf seinen Kopf und warfen ihn ins Loch. Es waren aber nur Platzpatronen – die Inszenierung diente dazu, ihn einzuschüchtern.

Auch Umerziehung ist ein probates Mittel. Ein Christ aus dem Netzwerk unserer Partner arbeitete als Fachkraft in der Pflege. Als herauskam, dass er Christ ist, wurde er im Spital entlassen und in ein entlegenes Bergdorf beordert. Dort musste er als Parteisekretär arbeiten. Er ging jeden Tag zu Treffen der Kommunisten und wurde beeinflusst. Täglich drängten ihn seine Vorgesetzten, den «fremden» Glauben aufzugeben und die Ideologie der Regierung anzunehmen. Doch er blieb standhaft und Gott treu.

Unaufhaltsames Wachstum
Die Verfolgung generiert in China viel Leid und Not – und kann dennoch zur Verbreitung des christlichen Glaubens beitragen. Berichtet wurde uns von einem Pastor, dessen Glaube ihn und seine Familie vor grosse Probleme stellte: Sobald herauskam, dass sie Christen waren, wurde ihnen die Wohnung gekündigt und sie mussten den Ort verlassen. Unzählige Male war die Familie schon umgezogen. Der Pastor betete und fastete, um diesen Missstand zu beenden, doch die Kette der unfreiwilligen Umzüge riss nicht ab. Rückblickend bemerkte er, dass er an jedem dieser Wohnorte eine Gemeinde gegründet hatte. Mittlerweile sind es bereits 30.

Eine von der Regierung in Auftrag gegebene, jedoch unveröffentlichte Studie der Universität Beijing hat errechnet, dass die Anzahl der Christen in China innerhalb der nächsten 25 Jahre von aktuell geschätzt rund 165 Millionen auf etwa 500 Millionen ansteigen wird. Dies würde, je nach demografischer Entwicklung, 30 bis 40 Prozent der gesamten Bevölkerung ausmachen.



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