12. Dezember 2025

Unzerstörbare Lebensfreude

BURUNDI
Im burundischen Flüchtlingscamp Giharo betreut AVC Flüchtlinge aus dem Kongo. Die einfühlsame Arbeit gibt den Menschen Hoffnung und Würde zurück.

Kämpfe zwischen verschiedenen, schwer bewaffneten Milizionären und der Armee im Osten der Demokratischen Republik Kongo gibt es seit Jahrzehnten. In der ersten Hälfte dieses Jahres spitzte sich die Lage erneut zu. Die Offensive der M23-Miliz in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu überzog die Region mit Tod, Plünderungen und sexueller Gewalt. Die Folge: eine neue humanitäre Krise.

Nach Burundi allein sind rund 70‘000 Kongolesen geflohen. Rund 20‘000 sind im UNHCR-Flüchtlingscamp in Giharo gelandet. Sie kommen zu den 30‘000 Kongolesinnen und Kongolesen hinzu, die zu einem früheren Zeitpunkt hierhin geflüchtet sind. Burundi, eines der weltweit ärmsten Länder, hat zahlreiche eigene Herausforderungen zu meistern. Umso bemerkenswerter ist es, dass der Anstoss für die Arbeit unter den Flüchtlingen initial aus unserem Team in Burundi kam.

Es fehlt an allem
Im Lager lassen sich zwei Bereiche erkennen: Der ältere Teil besteht aus kleinen Steinhäusern. Die existieren schon seit vielen Jahren. Hier haben es sich die Menschen einigermassen eingerichtet, auch wenn das Leben nach wie vor schwierig ist. Ganz anders sieht es im neuen Teil des Camps aus. Dort leben die Neuankömmlinge in Massenzelten, dicht gedrängt, ohne Privatsphäre, nur mit dem Nötigsten zum Überleben ausgestattet.

Ein aus dem Kongo geflüchteter Pastor zeigt seine »Wohnung«: zwei winzige Räume, notdürftig aus Zeltplanen zusammengeschustert, kaum grösser als eine Gartenhütte. Hier lebt er mit seiner Frau und zwei Kindern, eines davon gerade erst wenige Wochen alt. Die Frage drängt sich auf: »Wie kann man so leben, ohne die Hoffnung zu verlieren?«

Hier kommt die vielfältige Unterstützung von AVC ins Spiel. Unser Team bringt den Bewohnerinnen und Bewohnern des Flüchtlingscamps praktische und geistliche Unterstützung. Dazu gehören unter anderem Lebensmittel, Hygieneartikel für Frauen, das Flicken von Kleidung, Nähstunden, Haarschnitte, Kinderprogramme, gemeinsames Gebet und Gottesdienste.

Simpel, aber effizient
Gleich neben dem Lager hat AVC eine Halle gebaut. Von aussen sieht sie schlicht aus: Stahlskelett, Blechverkleidung, einfache Bauweise, so simpel wie möglich. Aber wenn man hineinkommt, verändert sich alles. Gesang, Lachen, Lebensfreude. Es gibt Musik, Menschen, die tanzen und in die Luft springen. Sie singen »Hakuna Mungu kama wewe« (Kein Gott ist wie du). Dieser Satz bleibt hängen, weil er so viel ausdrückt. Trotz Armut, Flucht und Unsicherheit – Gott ist grösser!

Gott feiern mit Musik
Die Halle ist mehr als nur ein Gebäude. Sie ist Näh-stube, Friseursalon, Community-Base und Kirche. Sie ist ein Zufluchtsort, ein Stück Normalität mitten im Chaos. Die Leute kommen in ihren besten Kleidern, um für ein paar Stunden dem harten Alltag zu entfliehen. Sonntags treffen sich dort bis zu 600 Personen zum Morgengottesdienst, am Nachmittag kommen 300 weitere hinzu. Neun Pastoren und zwei Evangelisten teilen sich die Arbeit. Unter der Woche gibt es zweimal täglich Andachten mit leidenschaftlicher kongolesischer Worship-Musik.

Den Generator für die Mikrofone und Instrumente hat AVC bereitgestellt, aber den Treibstoff bezahlen sie selbst. Alle versuchen etwas beizusteuern, damit sie Musik machen, tanzen und gemeinsam feiern können. Es ist beeindruckend, wie viel Eigeninitiative die Flüchtlinge zeigen.

Freude am Geben
Viele der Kongolesen sprechen Suaheli, eine der grossen Sprachen Ostafrikas. Ciza, Regionalleiter von AVC Burundi, hat diese Sprache sehr rasch erlernt. Schon nach wenigen Wochen spricht er zur hiesigen Community, als hätte er nie etwas anderes getan. Ciza ist vorübergehend an den Rand des Lagers gezogen und sieht seine Familie nur alle paar Wochen. Für eine bessere Behausung und damit er seine Familie nachholen kann, haben ihm die Flüchtlinge Ziegel gebrannt.

Das Team schafft es, im kleinen Rahmen einen Beitrag zur Wahrung der Menschenwürde zu leisten – gerade für jene, die oft nichts als ihre Kleidung am Leib hatten, als sie fliehen mussten. »Danke, dass ihr uns diesen Ort gegeben habt«, sagt der kongolesische Pastor, der seine Wohnung zeigte, über die Kirche. »Hier können wir wieder Menschen sein und die Not für einen Moment vergessen.« Diese Aussage fasst zusammen, in welchem Sinn AVC-Burundi die Arbeit unter den Kongolesen tut: Wir versorgen nicht nur, sondern geben auch Hoffnung zurück.



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