
Unter enormem Druck
Wer zum Christentum konvertiert, wird mit grossem Misstrauen betrachtet. Christliche Konvertiten erleben soziale Ächtung und Verfolgung. Oft werden ihnen Jobs verwehrt und ihre Kinder von Schulen ausgeschlossen. Manche Christen haben aus Glaubensgründen ihre Bürgerrechte verloren, weil ihnen die Ausweispapiere nicht verlängert werden. Auch kurzzeitige Gefängnisstrafen drohen.
Christen ist es nicht gestattet, Kirchen zu bauen. Sie können sich nur in Privathäusern treffen und dürfen keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Kumar* etwa, ein Pastor aus dem Netzwerk unseres Partners, musste mit seiner Hausgemeinde schon 15 Mal umziehen, weil ihm von den buddhistischen Hauseigentümern die Wohnung immer wieder gekündigt wurde.
Die bhutanischen Christen stehen unter enormem Druck und dürfen öffentlich nichts über ihren Glauben sagen. Evangelisation erfolgt nur über persönliche Beziehungen. Da alles im Verborgenen geschehen muss, ist Jüngerschaft eine Herausforderung. Christliche Literatur ist grundsätzlich verboten. Dennoch wurde die Bibel in die Dzongkha-Sprache übersetzt, importiert und bereits an viele Christen verteilt.
Trotz dieser Schwierigkeiten ist die Existenz von Untergrundkirchen ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft des Christentums in Bhutan. Es gibt schätzungsweise knapp 30 000 Christen im Land, die etwa drei Prozent der Bevölkerung stellen. Viele sind durch Heilungen zum Glauben an Jesus gekommen. Fast alle sind ehemalige Hindus. Nur rund 200 Christen kommen aus dem Buddhismus.
Die Anerkennung des Christentums als Religion in Bhutan könnte nur über eine Verfassungsänderung erfolgen. Dazu müsste ein Parlamentsmitglied einen entsprechenden Antrag stellen und Parlament und König müssten diesen gutheissen. Doch welcher Abgeordnete hätte den Mut, einen solchen Antrag zu stellen?
Haben die von uns unterstützten Evangelisten und Gemeindegründer Angst? »Ja, manchmal schon«, antworten sie. »Die Situation ist schlimm. Aber wir machen weiter.«
* Name geändert



