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bosnienBosnien & Herzegowina: Wärmespender Holz

Ätzender Gestank setzt sich in der Nase fest, bleibt in den Kleidern hängen. Der penetrante Geruch von verbranntem Müll und Plastik.

Schon beim Vorbeifahren fällt mir der qualmende Rauch auf. Intakte Öfen und Brennholz sind hier Mangelware. Pastor Vukasin meint: »Die Leute verbrennen alles Mögliche, um ihre Häuser auch nur einigermassen zu erwärmen.« Er ist dankbar, dass ihm AVC finanziell unter die Arme greift, um für die Ärmsten Holz kaufen zu können.

Holz für Mila (90)  »Ich heisse Mila. Ich bin neunzig Jahre alt und lebe mit meinen zwei Söhnen und drei Enkeln zusammen in diesem Dorf. Meine Söhne sind Tagelöhner. Arbeit gibt’s für sie jedoch nur im Sommer. Holz für den Winter zu besorgen, ist fast unmöglich. Wir haben keinen eigenen Wald und kein Geld, um Holz zu kaufen. Das Wenige, das meine Söhne verdienen, geht für alltägliche Rechnungen und die Ausbildung meiner Enkelinnen weg. Diese sind sehr aktiv in unserer Kirche. Dort gehe ich seit über zwanzig Jahren hin. Obschon die Kirche 25 Kilometer entfernt ist, habe ich noch keinen Sonntagsgottesdienst versäumt! Eure Holzaktion ist für uns ein besonderes Zeichen der Liebe und Versorgung Gottes. Eine Gebetserhörung.«

Holzsuche ein Hochrisiko
Nicht nur Geldmangel erschwert es, an Holz zu kommen. Emina begibt sich bei ihrer Holzsuche im Wald regelmässig in Lebensgefahr. Seit dem Jugoslawienkrieg liegen in den Wäldern von Bosnien und Herzegowina noch immer ungeheure Mengen von Landminen herum. In tragischer Regelmässigkeit werden Erwachsene und spielende Kinder durch Minen verletzt oder getötet. Seit Kriegsende sind über 600 Menschen durch die heimtückische Hinterlassenschaft der Kämpfer gestorben. Holzschlagen und -suchen ist hoch riskant. Das trägt dazu bei, dass trotz reicher Holzvorkommen in den Wäldern der Holzpreis für Arme in unerschwinglicher Höhe liegt.

Schätzungen zufolge liegen im Land derzeit noch 94 Tonnen explosives Material und Landminen im Boden. Dies verstreut auf einer Fläche in der Grösse von Paris. Von rund 3,5 Millionen
Bosniern sind rund eine halbe Million direkt von Minen bedroht: knapp 15 Prozent der Bevölkerung. Das Ziel, die teils noch unbekannten Minenfelder bis 2019 zu räumen, ist gescheitert. Es ist neu auf 2060 (!) festgelegt worden.

»Holzbrücken«
Kaum weniger explosiv als die Minen sind die durch den Krieg geschürten gesellschaftlichen Spannungen zwischen Ethnien und Religionen. Es herrscht ein abgrundtiefes Misstrauen zwischen Muslimen, Orthodoxen und Katholiken. Serben hassen Kroaten und Bosniaken – und umgekehrt. Unverheilte seelische Wunden und gegenseitiges Misstrauen verursachen unüberbrückbare Gräben und hindern das Vorankommen des Landes.

Hier wollen wir Brücken bauen. Die praktisch gelebte Liebe wärmt Häuser und Herzen, überwindet Gräben und verwandelt Feindschaft in Freundschaft. Diese Liebe bringen wir mit unseren Partnern vor Ort durch verschiedene Aktionen zum Ausdruck: durch Versorgung von Bedürftigen mit Holz und Lebensmittelpaketen; durch Hilfeleistungen an die Ärmsten in prekären Lebenssituationen. Christen, die unabhängig von ethnischer Herkunft oder Religion Bedürftigen helfen, fallen positiv auf und leisten einen wertvollen Beitrag zur Versöhnungsarbeit – wie die folgende Erfahrung unterstreicht. Holz baut Brücken zwischen Menschen.

Holzhändler beeindruckt
Eigentlich hätte Pastor Vukasin wie üblich auf dem Markt in der Stadt Holz besorgen wollen. Doch plötzlich sah er sich geleitet, direkt einen bestimmten Holzhändler aufzusuchen und ihm sein Anliegen vorzutragen: »Eine Hilfsorganisation schickt mich. Wir wollen Bedürftigen helfen.« - »Unabhängig von Religion?« - »Ja, unabhängig von ihrer Religion.« Der Holzhändler ist skeptisch: »Das glaube ich nicht, jeder kümmert sich doch nur um seine Leute.« Vukasin zeigt ihm die Liste mit Hilfsempfängern. Der Händler ist überrascht, erkennt anhand der Namen, dass sowohl orthodoxe als auch muslimische Familien darunter sind, die hierzulande eine Minderheit bilden. »Das gibt es doch nicht! Wenn das so ist, gebe ich euch das Holz zu dem günstigen Preis wie am Stadtmarkt und übernehme die Transportkosten!«

Holz für den Winter
»Mit dem Herbst kommt die Sorge hoch, ob ich für meine Kinder und mich genug Holz zum Heizen für den Winter ergattern kann«, klagt Edina. Sie ist eine der vielen Bewohner von Bosnien und Herzegowina, die sich auf dem Existenzminium durchs Leben schlagen müssen. »Manche verbrennen alles Mögliche, nur um im Winter nicht zu frieren; alte Holztüren, alte Schränke und mehr. Das Geld reicht einfach nicht, um Holz zu kaufen, und diese Pandemie hat alles noch drastisch verschlimmert.«

Sich um Holz kümmern – warum schon im Frühling?
Nach dem Winter ist vor dem Winter. Die beste Zeit, Holz zu besorgen, ist das späte Frühjahr. Das im Winter geschlagene Holz hat über den Sommer Zeit zum Trocknen, die Nachfrage ist geringer und ebenso der Preis. Kaufen wir im Frühjahr Holz ein, können wir weit mehr Familien damit beschenken.
Machen Sie mit und schenken Sie einer bedürftigen Familie Wärme! Um EUR 50,- können Sie eine Familie in Not einen Monat lang mit Holz versorgen.